Journal · Etikette & Einladung · 19. Mai 2026

Geld statt Geschenke zur Hochzeit — die elegante Art, eine zarte Bitte zu formulieren

Ihr habt Geschirr. Ihr habt einen Toaster. Was ihr braucht, ist ein Beitrag zu eurer Hochzeitsreise, vielleicht zum ersten gemeinsamen Möbelstück, vielleicht einfach Spielraum für das, was nach dem großen Tag kommt. Und genau hier kippt die meisten Brautpaaren in die Verlegenheit: Wie sagt man das, ohne zu wirken, als ginge es um den Preis pro Couvert?

Im deutschsprachigen Raum ist die Bitte um Geld zur Hochzeit ein heikles Stück Etikette. In den USA steht „in lieu of gifts" oft direkt auf der Hochzeitswebsite — bei uns ist das undenkbar. Geld ist hier nichts, worüber man direkt spricht; schon gar nicht im selben Atemzug wie eine Einladung.

Das heißt nicht, dass ihr darauf verzichten müsst. Es heißt, dass die Form anders ist als in amerikanischen Wedding-Magazinen. Und genau diese Form ist das, was in den meisten deutschen Vorlagen-Sammlungen verloren geht — zwischen Spruch-Listen und Bilderrahmen-Spardosen.

Beilegkarte „Anstatt Geschenke
Die Bitte als kleine Beilegkarte — getrennt von der Haupt-Einladung, in derselben gestalterischen Linie.

Warum die Bitte um Geld in Deutschland heikel ist

Geld zur Hochzeit zu erbitten verstößt gegen eine alte deutsche Regel: Über Geld spricht man nicht. Schon gar nicht so direkt, dass es auf einer offiziellen Einladung steht. Wer in der Haupt-Einladung „Wir wünschen uns Geld" schreibt, wird in vielen Familienkreisen als forsch wahrgenommen — auch wenn die Gäste ohnehin Geld geben werden.

Gleichzeitig ist Geld inzwischen für die meisten Hochzeitsgäste das praktischste Geschenk. Niemand möchte den dritten Toaster verschenken. Sechzig Gäste wollen sechzig Mal nicht raten müssen. Die Bitte um einen Beitrag erleichtert allen das Leben.

Die Lösung liegt nicht in der Wahl zwischen „direkt sagen" und „gar nichts sagen". Sie liegt in der Form: einer eigenen kleinen Karte, die nicht die Einladung ist, sondern eine Beilage. Damit ist die Bitte aus dem offiziellen Teil herausgenommen — und genau das macht sie höflich.

Wo die Bitte hingehört — und wo nicht

Die wichtigste Regel ist auch die unscheinbarste: Die Geldbitte gehört nicht in den Fließtext der Einladung. Nicht in den letzten Absatz, nicht in den ersten, nicht als „PS." am Ende. Sie gehört auf eine separate Karte, die zusammen mit der Einladung im Umschlag liegt — eine sogenannte Beilegkarte.

Dieses Format kennen die meisten deutschen Brautpaare nicht, weil es in der Generation der Eltern noch nicht üblich war. Die wenigen, die es kennen, haben es auf englischsprachigen Hochzeitsblogs gesehen, ohne den deutschen Etikette-Hintergrund mitgeliefert zu bekommen. Tatsächlich ist die Beilegkarte ein zutiefst kontinentaleuropäischer Trick: Sie nimmt eine Information aus der formellen Sphäre heraus, ohne sie zu verschweigen.

Was kommt also in den Umschlag? Drei Karten: die Haupt-Einladung mit Datum und Ort, die RSVP-Karte für die Rückmeldung, und die kleine dritte Karte mit eurer Bitte. Wer den Stapel komplett liest, sieht sie. Wer nur kurz blättert, wird nicht damit konfrontiert. Beides ist in Ordnung — genau das ist der Punkt.

Drei Tonlagen, je nach Hochzeit und Paar

Die Frage, wie ihr eure Bitte formuliert, hängt mehr von eurer Tonalität als Paar ab als von einer richtigen oder falschen Variante. Drei Tonlagen, die wir im Atelier durchgespielt haben:

Dezent · klassisch

Die zurückhaltendste Variante stellt eure Anwesenheit als Geschenk in den Vordergrund und lässt die eigentliche Bitte fast nebenbei fallen:

Das Wertvollste ist für uns, dass ihr unseren Tag mit uns teilt. Solltet ihr uns dennoch eine Freude machen wollen, freuen wir uns über einen Beitrag zu unserer Hochzeitsreise.

Diese Tonlage passt zu klassisch-festlichen Hochzeiten, zu konservativen Familien, zu Paaren, die sich mit der Geldbitte selbst noch nicht ganz wohlfühlen. Sie ist die sicherste Wahl, wenn ihr unsicher seid.

Konkret · mit Ziel

Die mittlere Variante nennt das Ziel beim Namen. Sie wirkt direkter, aber auch persönlicher, weil sie die Gäste an einer konkreten Vorfreude teilhaben lässt:

Wir wünschen uns nichts sehnlicher als gemeinsame Erinnerungen. Statt Geschenken freuen wir uns über einen Beitrag zu unseren Flitterwochen in der Toskana.

Diese Tonlage funktioniert, wenn ihr ein klares, romantisch fassbares Ziel habt — eine bestimmte Reise, ein bestimmtes Möbelstück, ein konkretes Vorhaben. Sie wird unangenehm, sobald das Ziel funktional klingt („für die neue Waschmaschine"). Bleibt im Bereich der gemeinsamen Erlebnisse.

Humorvoll · mit Augenzwinkern

Die dritte Variante macht aus der Bitte einen kleinen Witz. Das nimmt der Geldfrage die Schwere — aber nur, wenn euer Paar ohnehin so kommuniziert. Für förmliche Hochzeiten ist diese Tonlage Gift:

Geschirr haben wir, Toaster auch. Was uns noch fehlt? Ein Honeymoon-Hauch. Über einen kleinen Reisebeitrag freuen wir uns sehr.

Faustregel: Wenn euer Save the Date schon einen leisen Witz enthält, darf die Beilegkarte ihn aufnehmen. Wenn die Einladung in tiefem Burgund mit Crest-Siegel kommt, lasst den Reim weg — sonst entsteht ein Bruch zwischen Form und Ton.

Was ihr besser weglasst

Eine schnelle Suche nach „Geld statt Geschenke" wirft eine erstaunlich konsistente Welt aus: Bilderrahmen-Spardosen mit gefalteten Geldscheinen hinter Glas, Mini-Truhen mit Sand und Muscheln, Geld-Bäume mit Schmetterlingen aus Trockenblumen. Das ist die Bastel-Variante des Themas, und sie hat ihre eigene Logik.

Sie passt nur nicht zu einer Hochzeit, die editorial gedacht ist. Wenn eure Einladung in zurückhaltender Typografie kommt, wenn euer Tischschmuck reduziert ist, wenn ihr eine bestimmte Ruhe in der Bildsprache halten wollt — dann kippt eine Beilegkarte mit emoji-gespickten Spruch-Kategorien („📝 Sprüche · 💰 Richtwerte · 🎁 Verpackungsideen") den ganzen Eindruck. Die Bitte um Geld lässt sich genauso editorial gestalten wie die Einladung selbst. Sie muss nur dieselbe Disziplin tragen.

Konkret heißt das: dezente Typografie, keine Schnörkel-Vignetten, keine Aufzählung von Verpackungs-Bastelideen auf der Karte selbst. Eine Tonlage, ein Spruch, ein leiser Hinweis darauf, wofür. Mehr braucht es nicht.

Wenn Gäste fragen: „Wie viel ist üblich?"

Eine Frage, die auf eurer Karte nichts verloren hat, aber im familiären Gespräch oft kommt: Wie viel sollen die Gäste eigentlich geben? Die DACH-Faustregel ist seit Jahrzehnten dieselbe und stammt aus dem Gedanken, dass ein Geschenk mindestens die eigenen Verpflegungskosten am Hochzeitstag decken sollte:

Bekannte und Arbeitskollegen: 30 bis 50 Euro pro Person.

Freunde und entferntere Verwandte: 50 bis 100 Euro pro Person.

Enge Freunde und Trauzeugen: 100 bis 200 Euro pro Person.

Engste Familie (Eltern, Geschwister): 100 bis 500 Euro oder mehr pro Person.

Wichtig: Diese Werte gehören nicht auf die Beilegkarte. Sie sind die Antwort auf Nachfragen — von Trauzeug:innen, der Mutter des Bräutigams, einer Tante, die anruft. Wer fragt, bekommt eine Orientierung. Wer nicht fragt, entscheidet selbst. Auch das ist Teil der Etikette.

Wann eine Beilegkarte zu früh, zu spät, zu viel ist

Drei Situationen, in denen die Karte nicht das richtige Werkzeug ist:

Beim Save the Date. Eine Geldbitte auf der ersten Karte, die eure Gäste sehen, wirkt fast immer zu früh. Save the Date kündigt an, mehr nicht. Die Bitte gehört in die Einladung — also einige Monate später.

Bei sehr kleiner Gästezahl. Wenn nur zwölf Menschen kommen — engste Familie, vielleicht beste Freunde —, fühlt sich eine Karte oft förmlicher an als das Verhältnis. Hier reicht häufig ein persönliches Gespräch oder eine einzelne Nachricht an die, die fragen.

Bei kirchlichen oder stark religiösen Hochzeiten älterer Tradition. Hier ist die Geldbitte oft unüblich oder wird durch eine Kollekte für einen guten Zweck ersetzt. Im Zweifel: eine Generation vorher fragen, wie es im familiären Kontext gehandhabt wird.

Eine Notiz zum Papier

Wer die Beilegkarte besonders machen möchte, druckt sie auf Transparentpapier — Pergamin oder Vellum, je nach Händler. Das Papier ist leicht durchscheinend, die Karte legt sich zart über die Haupt-Einladung im Umschlag, und der Moment des Auspackens bekommt eine zweite Ebene.

Wichtig dabei: Auf Transparentpapier verschwinden helle Linien und blasse Akzente. Die Farben müssen tiefer gesetzt sein, der Rahmen dichter, die Schrift kräftig genug, damit sie auch auf dem halbtransparenten Material trägt. Wer einen Heimdrucker hat, sollte vorher eine Probe drucken — der Tonerauftrag auf Transparentpapier ist anders als auf Karton.

Häufige Fragen

Darf man bei einer Hochzeit überhaupt um Geld bitten?

Ja, das ist in Deutschland inzwischen breit akzeptiert — sofern die Bitte nicht in der Haupt-Einladung selbst steht, sondern auf einer separaten Beilegkarte im Umschlag. Diese Form gilt als höflich, weil sie die Bitte aus dem offiziellen Teil der Einladung herausnimmt.

Wo gehört die Bitte um Geld hin?

Auf eine eigene kleine Karte, die zusammen mit der Einladung und der RSVP-Karte im Umschlag liegt. Nicht in den Fließtext der Einladung, nicht als „PS." am Ende, nicht auf das Save the Date. Eine Beilegkarte im Format A6 oder A7 ist das passende Werkzeug.

Wie formuliert man Geld statt Geschenke höflich?

Drei Tonlagen funktionieren: dezent („Das Wertvollste ist für uns, dass ihr unseren Tag mit uns teilt …"), konkret mit Ziel („Statt Geschenken freuen wir uns über einen Beitrag zu unseren Flitterwochen in der Toskana") oder humorvoll mit Augenzwinkern. Wichtig: Die Tonlage muss zur restlichen Einladung passen, sonst entsteht ein Bruch.

Wie viel Geld gibt man als Gast zur Hochzeit?

Faustregel: das Geschenk sollte mindestens die eigenen Verpflegungskosten am Hochzeitstag decken. Bekannte und Arbeitskollegen rechnen mit 30 bis 50 Euro pro Person, Freunde mit 50 bis 100 Euro, enge Freunde und Trauzeugen mit 100 bis 200 Euro, engste Familie mit 100 bis 500 Euro oder mehr. Diese Richtwerte gehören nicht auf die Karte, sondern in das Gespräch unter Verwandten.

Soll man auf der Beilegkarte ein Konto oder einen PayPal-Link angeben?

In der Regel nicht. Konto- oder Zahlungsdaten direkt auf der Einladungs-Beilegkarte wirken zu transaktional. Die Übergabe des Geldes findet meist am Hochzeitstag selbst statt, in einem Umschlag oder einer Spardose am Empfangstisch. Wer aus Praktikabilität trotzdem einen Hinweis geben möchte, kann einen kleinen QR-Code in Themenfarbe einsetzen, der zu einer schlichten Hochzeitswebsite mit den Daten führt — niemals als großes Element der Karte.

Die kleine Bitte als Teil des großen Ganzen

Eine Beilegkarte „Anstatt Geschenke" ist eine winzige Geste — eine 105 mal 148 Millimeter große Karte, gefaltet oder ungefaltet, eine Handvoll Sätze, ein leiser Hinweis. Genau diese Unauffälligkeit ist ihre Stärke. Sie löst ein heikles Etikette-Problem, ohne es zum Thema zu machen.

Im Atelier ist sie Teil derselben Designlinie wie das Einladungsset selbst — Old Money in drei Farbcharakteren, dieselben Siegel, dieselbe Typografie. Wer das ganze Set zusammen verschickt, bekommt eine in sich geschlossene erste Berührung mit der Hochzeit. Nichts wirkt zusammengewürfelt. Auch der heikelste Teil hat seine eigene Form gefunden.

Für den größeren Zusammenhang lest weiter im Pillar-Artikel Editorial Hochzeit: Papeterie wie aus einem Magazin.